Britische Regierung will Immobilienkauf auf einen Monat verkürzen

by Markus Weber
3 minutes read
Digital Reform Aims to Cut UK Home Buys to One Month

Der britische Immobilienmarkt soll mit einer umfassenden Reform schneller, günstiger und transparenter werden, so das Ministerium, eine der ehrgeizigsten Reformen seit Jahrzehnten. Das Ministerium für Wohnen, Gemeinden und Kommunalverwaltung (MHCLG) hat neue Konsultationsvorschläge veröffentlicht, die die durchschnittliche Dauer eines Immobilienkaufs von derzeit vier bis fünf Monaten auf etwa einen Monat verkürzen können. Zudem sollen weniger Transaktionen fehlschlagen und die Haushalte Geld sparen können.

Vorgeschlagene Schlüsseländerungen

Die neuen Pläne sehen vor, dass Immobilienanzeigen künftig verpflichtende Vorabinformationen enthalten müssen. Dazu gehören die Eigentumsverhältnisse, Energieeffizienzklasse (EPC), Steuerband, Nebenkosten bei Pachtgrundstücken, Hochwasserrisiko und Standardrecherchen. In Zukunft muss dies alles angeführt werden, wenn geworben wird, um die Kaufinteressenten nicht unnötig anzubrechen. Käufer sollen so besser informierte Entscheidungen treffen können. Verkäufer und Makler sollen außerdem digitale Immobilien-Logbücher für mehr Transparenz und Datenkonsistenz im Sektor bereitstellen.

„Dies ist ein wichtiger Schritt zu einem effizienteren und transparenteren Markt“, sagte Justin Young, CEO von RICS. „Die frühzeitige Offenlegung relevanter Informationen wird das Vertrauen stärken und unnötige Verzögerungen vermeiden.“

Laut Johan Svanstrom, CEO von Rightmove, sei diese Reform „längst überfällig“. Der Immobilienkauf müsse künftig von Schnelligkeit, vernetzten Daten und Einfachheit geprägt sein.

Die Regierung will die Käufer und Verkäufer mit frühzeitig rechtlich bindenden Verträgen ausstatten. Dies könnte “Gazumping” (wenn Käufer ein Angebot bereits annehmen und der Verkäufer jedoch später einen anderen Kunden annimmt) verhindern. Des Weiteren will man Kleinigkeiten adaptieren, etwa dass Immobilienmakler Qualifikationen nachweisen müssen.

Finanzielle Auswirkungen

Das neue System könnte erheblichen wirtschaftlichen Nutzen bringen, glaubt das MHCLG.

  • Die Einsparungen für Erstkäufer belaufen sich auf etwa £710 (€830), während bestehende Käufer £400 (€470) sparen.
  • Verkäufer müssen mit zusätzlichen Vorabkosten von rund £310 (€360) rechnen, um vollständige Immobiliendaten bereitzustellen.
  • Eine Verringerung gescheiterter Transaktionen im Wert von bis zu £1,5 Milliarden (€1,75 Milliarden) könnte der gesamten Wirtschaft zugutekommen.

Momentan scheitert jede dritte Transaktion vor dem Abschluss. Durch Digitalisierung, Transparenz und frühzeitige Verpflichtungen soll die Quote auf 30 % halbiert werden.

Branchenreaktionen und Vorsicht

Die Reform wird von der Branche zwar begrüßt, doch Experten warnen vor Übertreibung. Die Law Society betonte, dass die Reformen „kohärent und systemweit“ sein müssten, um keine neuen Belastungen zu schaffen.

„Immobilienkriminalität muss mit dem Käufer, der heute sofortige Effizienz erwartet, Schritt halten“, sagte Paul Whitehead von Zoopla.

Allerdings warnen Grundbuchanwälte, dass das Programm nicht wie das frühere Home Information Packs (HIPs)-System scheitern dürfe, das 2010 abgeschafft wurde. Die Einführung müsse zudem ganzheitlich und gleichzeitig erfolgen, um Chaos zu vermeiden.

Der Kaufprozess sei „in der Zeit eingefroren“ und die Regierung werde zur Beschleunigung der Digitalisierung der gesamten Kette aufgefordert, erklärte Santander UK.

Was Käufer erwarten können

Der neue Prozess bedeutet für Käufer, dass ein Großteil der Prüfungen und Recherchen – von Gutachten bis zu kommunalen Abfragen – bereits vor Annahme eines Angebots abgeschlossen ist. Dadurch sollen Nachverhandlungen sowie Verzögerungen verhindert und das Vertrauen auf beiden Seiten gestärkt werden. Optionale bindende Verträge könnten zudem lange Transaktionsketten vereinfachen und das Risiko früher Abbrüche senken.

Laut RICS könnten diese Vorschläge die professionelle Verantwortung von Maklern und Notaren erhöhen und Transaktionen für Käufer und Verkäufer reibungsloser gestalten.

Zeitplan und nächste Schritte

Der Implementierungsplan wird Anfang 2026 vervollständigt, während die öffentliche Konsultation bis Dezember 2025 dauert. Wichtige Meilensteine sind:

  • Abschlussentscheidung zur verpflichtenden Verkäuferinformation (InSight 2023)
  • Einführung von Standards für digitale Identifikation und Logbücher
  • Prüfung und Durchführung eines Vertragsrahmens
  • Zusammenarbeit mit dem HM Land Registry, Hypothekengebern und Grundbuchanwälten für eine reibungslose Umsetzung

Fazit

Wenn die Reformen erfolgreich durchgeführt werden, könnte der Hauskaufprozess in England und Wales bald so effizient funktionieren wie das schottische Modell, das auf schnelle und transparente Vorabinformationen setzt. Ein digitaler, datenbasierter und transparenter Ansatz kann Fehlkäufe vermeiden, Käufer wie Verkäufer finanziell entlasten und die durchschnittliche Kaufdauer auf etwa einen Monat verringern – sofern Standardisierung und Umsetzung konsequent erfolgen.

Das könnte Ihnen auch gefallen

Einen Kommentar hinterlassen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihre Erfahrung zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass Sie damit einverstanden sind, aber Sie können dies ablehnen, wenn Sie möchten. Akzeptieren Read More

Privacy & Cookies Policy